Abstract
2 min readDas Thema des Literaturhistorikers und Kritikers Rutherford ist das Heldentum und seine Wiedergabe und Interpretation bei den Autoren Kipling, T. E. Lawrence (of Arabia), Waugh und Le Carre.In einem weiteren Kapitel befaßt er sich mit Werken, die den Krieg in Frankreich 1914-1918 behandeln (»The Common Man as Hero«).Aldous Huxley hatte bereits in »Brave New World« seinen Mustapha Mond erklären lassen, daß die neuzeitliche Zivilisation weder Adel noch Helden benötige, denn beides bringe nur Instabilität mit sich.Diese -den dreißiger Jahren entstammende Erkenntnisist in jüngster Zeit wieder zunehmend in Frage gestellt worden, obwohl die moderne Literatur die Problematik bzw.die dahintersteckende (Sehn-)Sucht zu negieren scheint.Allerdings befindet sie sich in offensichtlichem Einklang mit der Teilnahmslosigkeit der westlichen, zumal der bundesrepublikanischen Wohlstandsgesellschaft, auf die John Baynes' Verdikt -von Rutherford eingangs zitiert -zutrifft: »A society that loses courage can only fade and crumble away.«Im Mittelpunkt des Essays über Kipling und den »Frontier War« steht der einzelne, einfache Mann, der Subalterne, dessen Situation »in the quarrels of civilised nations« Winston Churchill einmal folgendermaßen umrissen hat: »In all this tumult, this wholesale slaughter, the individual and his feelings are utterly lost, only the army has a tale to tell'.«(S. 11) Smollet und Dibdin haben einer lesenden Öffentlichkeit das Leben in der englischen Marine nahegebracht.Der Alltag des gemeinen Mannes in der Army dagegen blieb lange unbekannt, zumal sie im 18. und 19.Jahrhundert sozusagen neben dem »normalen« nationalen Leben existierte.Kipling mit seinen Geschichten und Gedichten von der Grenze, der Front, der Offiziersmesse und den Kasernen füllte diese Lücke.Dabei hatte er das literarisch-methodische Dilemma zu bewältigen, seinen Stoff angemessen darzustellen.Zwischen heroisierender Romantik und nacktem Realismus steuerte er einen Mittelweg und schuf die »Realitätsromanze« (S. 16).Der Burenkrieg erhöhte die Bedeutung des Militärs im Denken Kiplings und vieler Zeitgenossen; Verteidigungsprobleme beschäftigten ihn nun verstärkt.In bitteren Versen (etwa: The Islanders; The Dykes; The Army of a Dream) warnte er davor, unvorbereitet in das Armageddon einzutreten.Der Kampf zwischen Zivilisation und Anarchie beherrschte sein Denken; law and order waren für ihn unantastbare Werte (der Zivilisation).Kiplings Sohn, ein kaum achtzehnjähriger Leutnant, fiel im Ersten Weltkrieg.Ihm und der Vorkriegswelt des britischen Empire widmete er »The Irish Guards in the Great War«, das er als Denkmal des Mutes verstand und in dem er sich lediglich eine Anspielung erlaubte auf die »many, almost children, of whom no record remains« (S. 37).Während Kipling infolge einer dauernden Augenschwäche nie Soldat sein konnte und daher nur ein intellektueller Typ
Discussion(0)
No comments yet. Be the first to comment.